Die Geschichte des Gutshauses Stechow

In den 40iger Jahren auf dem Gutshof vor den damaligen Pferdeställen. Das Gebäude links im Hintergrund existiert nicht mehr. Privatarchiv Karl-Heinz Hartmann.

Wer den Ort Stechow besucht, sieht im Ortszentrum das beeindruckende Gutshaus Stechow. Das alte Herrenhaus versprüht auch heute noch einen Hauch geheimnisvoller Historie. Der Beobachter fragt sich unweigerlich, wer wohl früher hier gelebt haben mag.

Die Geschichte des Guthauses Stechow ist eng mit der Geschichte des Dorfes Stechow verknüpft. Viele Bewohner des Ortes verbinden persönliche Erinnerungen mit dem ehemaligen Herrenhaus.
Vor vielen Jahren war die Familie von Stechow im heutigen Gutshaus Stechow ansässig und besaß umfangreichen Besitz im Ort und Umgebung.

Im Spätmittelalter kam es zu einer Spaltung der Familie von Stechow in mehrere Linien. Die verschuldete Stechower Linie war gezwungen, ihre Besitztümer nach und nach zu verkaufen. Das heutige Gutshaus Stechow wurde zu dem Zeitpunkt noch nicht verkauft und war 1725 im Besitz von Caspar Heinrich von Stechow (1687-1746).

Im Jahre 1731 beschrieb man das Haus so:
„Ein altes Wohnhaus […] nebst 2 gewölbete Keller, so klein das Haus, ist mit Ziegeln gedeckt und hat einen gemauerten Giebel.“ Es gehörten auch ein ziegelgedecktes Brauhaus und 2 Ställe dazu.
Caspar Heinrich von Stechow wollte das Gutshaus Stechow nicht aus der Familienhand geben. Um den immer größer werdenden Schuldenberg zu tilgen, hatte er deshalb das Gutshaus seinem Verwandten in Kotzen zum Kauf angeboten. Da dieser den Kaufpreis nicht bezahlen konnte (oder wollte), erwarb Hauptmann Ludwig von Bredow (1655-1740) das Gut.

Das Hauptgebäude in den 30iger oder 40iger Jahren. Privatarchiv Karl-Heinz Hartmann.

Da sahen aber die Vettern der Familie von Stechow mit dem Verkauf des Familienbesitzes ihre Agnatenrechte mißachtet und erhoben Einspruch. Caspar Heinrich von Stechow versuchte daraufhin den Kauf rückgängig zu machen. Ludwig von Bredow klagte dagegen beim Kammergericht. Der länger andauernde Streit wurde schließlich von König Friedrich II beendet, indem er zugunsten Ludwig von Bredow entschied. Herr Karl-Heinz Hartmann, Sohn letzten Gutsverwalters Herrn Herrmann Hartmann (1892-1968), erinnert sich noch gut aus Erzählungen daran, wie der Streit lange Zeit zwischen den von Stechows und von Bredows andauerte bis „…der alte Fritz ein Machtwort sprach…“.

Das Land auf der Rückseite des Nebenhauses wurde zum Anbau von Gemüse und Erdbeeren genutzt. Privatarchiv Karl-Heinz Hartmann.

Der Sohn Ludwig von Bredow‘s, Ernst Karl Gustav Dietrich von Bredow, übernahm 1776 den Besitz in Stechow.
Sein Sohn wiederum -Karl Ernst Samuel von Bredow (1777-1825)- kümmerte sich nach Beendigung seiner Militärkarriere 1810 um die Bewirtschaftung der Güter, insbesondere um die Schafzucht.
Dessen Sohn, Hans Christoph Hermann von Bredow (1820-1885) diente ebenfalls im Militär und beantragte noch im Jahr seines Abschieds (nämlich 1848) die Baugenehmigung eines neuen Herrenhauses, da das alte bei einem schweren Brand arg beschädigt wurde. Laut Plan war der Bau etwas weiter zurückgesetzt als das ursprüngliche Gebäude. Das Herrenhaus und der Pferdestall wurden schon 1850 fertiggestellt. Das Manoir war damals noch eingeschossig, hatte ein Walmdach, neun Achsen und einen dreiachsigen Avantcorps mit Dreiecksgiebel.
Sein Sohn, Paul Max Friedrich von Bredow, ließ nach seiner Pensionierung zwischen 1905 und 1908 Veränderungen an der Fassade vornehmen. Das Gebäude erhielt zwerchhausartige Aufbauten, so dass im Obergeschoß eine rhythmische Aufeinanderfolge von drei größeren Dreiecksgiebeln und niedrigen Gaubenfenstern entstanden. Leider haben nur einzelne Elemente dieser Ausgestaltung die Zeit nach dem 2. Weltkrieg überstanden.

Gerhard Joachim von Bredow (1874-1945) übernahm schon als 25jähriger das Anwesen. Herr Karl-Heinz Hartmann, der Sohn des damaligen Gutsverwalters bis nach 1945, hat viele Erinnerungen an die Zeit in dem heutigen Gutshaus Stechow. Er wuchs mit dessen Sohn Christoph von Bredow auf und erinnert sich mit Schmunzeln an die Jungenstreiche, die sie zusammen angestellt haben.
Gerne ruft er sich auch die schöne Wiese mit der gepflegten Hecke vor dem Haus; das Esszimmer mit der Schrankwand, wo das Geschirr durchgereicht werden konnte oder den modernen Aufzug für das Essen, welches von der Küche in die erste Etage hochgefahren werden konnte, in Erinnerung.

Das Herrenhaus von der Straßenansicht. Die Bäume waren schon damals ausladend. Privatarchiv Karl-Heinz Hartmann.

Herr Hartmann ist die Erinnerung an die große Wetterfahne und den Taubenschlag präsent, als ob er erst gestern zusammen mit Christoph von Bredow heimlich auf Tauben geschossen hätte.
Nach Ende des Krieges wurden die Güter enteignet. Im Gutshaus Stechow fanden Vertriebene und Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Asyl. Herr Karl-Heinz Hartmann erinnert sich, dass in den 50iger Jahren die Flüchtlinge nach Fertigstellung des Baus einer Siedlung ausgezogen sind und das jetzige Gutshaus Stechow dann als Schule und Kindergarten genutzt wurde.

Nachdem die Schule Anfang des neuen Jahrtausends aufgrund sinkender Kinderzahl geschlossen wurde und der Kindergarten 2010 in ein anderes, von der Gemeinde sehr schön hergerichtetes Gebäude umzog, stand das ehemalige Herrenhaus der Familie von Bredow leer. Dank der Initiative des Ortsbeirates verfiel das Gebäude aber auch in der Zeit des Leerstandes nicht.

2010 übernahm ein Familienbetrieb das Gebäude. Es wurde viel Kraft investiert, um es wieder herzurichten. Heute strahlt des Gutshaus Stechow im neuen Glanz. Moderne Wohnungen sind entstanden, wobei viele der ursprünglichen Elemente, z.B. Treppen und die Haustür, liebevoll restauriert und aufgearbeitet wurden.
Wir bedanken wir uns bei dem Lukas Verlag, der uns die Genehmigung zur Nutzung der Informationen aus dem Buch „Die Herrenhäuser des Havellandes –Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis in die Gegenwart“ von Almut Andreae und Udo Geiseler gab.

x Wir bedanken wir uns bei dem Lukas Verlag, der uns die Genehmigung zur Nutzung der Informationen aus dem Buch „Die Herrenhäuser des Havellandes –Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis in die Gegenwart“ von Almut Andreae und Udo Geiseler gab. Wir bedanken uns ebenfalls bei Herrn Karl-Heinz Hartmann und seiner Frau Doris für die wertvollen Informationen und für das Fotomaterial.

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